0 Einstieg: Der Ölfleck
Auf einem See breitet sich ein kreisförmiger Ölfleck aus. Sein Radius wächst mit der Zeit: $r(t)=0{,}5\cdot t$ ($t$ in min, $r$ in m). Die Fläche hängt vom Radius ab: $A(r)=\pi r^2$. Wie groß ist die Fläche nach $t$ Minuten?
Du rechnest zwei Schritte nacheinander: erst $t\mapsto r$, dann $r\mapsto A$. Insgesamt ist $A(r(t))=\pi\,(0{,}5t)^2=0{,}25\pi t^2$. Genau das nennt man eine Verkettung.
1 Die Funktionsmaschine
Stell dir jede Funktion als Maschine vor. Die Zahl $x$ läuft zuerst durch die innere Maschine $g$, das Ergebnis $u=g(x)$ wird sofort in die äußere Maschine $f$ gesteckt. Wähle oben die beiden Funktionen.
Forscherfrage: Ist die Reihenfolge egal? Drück oben auf ⇄ und vergleiche.
2 Das Drei-Achsen-Bild
Statt eines Graphen siehst du hier drei Zahlengeraden übereinander. Jeder Pfeil zeigt, wohin eine Zahl geschickt wird: $x \xrightarrow{\;g\;} u \xrightarrow{\;f\;} y$. Zieh den dicken Pfeil (oder nutze den Regler) und beobachte, wo es „hakt“.
3 Wann darf man verketten? – Die Definitionsmenge
Die äußere Maschine $f$ verarbeitet nur Zahlen aus ihrer Definitionsmenge $D_f$. Deshalb gehören zu $D_{f\circ g}$ nur die $x$, die zwei Tests bestehen:
Beispiel 1: $f(u)=\sqrt{u}$, $g(x)=4-x^2$. Es muss gelten $4-x^2\ge 0 \iff x^2\le 4 \iff -2\le x\le 2$. Also $D_{f\circ g}=[-2;2]$, obwohl $D_g=\mathbb{R}$ ist.
Beispiel 2: $f(u)=\ln u$, $g(x)=x-3$. Es muss gelten $x-3>0\iff x>3$, also $D_{f\circ g}=\,]3;\infty[$.
4 Den Graphen von $f\circ g$ konstruieren
Mit der Winkelhalbierenden $y=x$ kann man $f(g(x))$ ganz ohne Rechnung aus den Graphen von $g$ und $f$ ablesen. Der Trick: Ein Funktionswert (Höhe) wird an $y=x$ zu einer Stelle (Rechtswert) „umgeklappt“.
5 Rückwärts denken: Funktionen zerlegen
Für die Kettenregel musst du später eine gegebene Funktion $h$ in eine innere Funktion $g$ und eine äußere Funktion $f$ zerlegen, sodass $h(x)=f(g(x))$. Wähle jeweils ein Paar – die Vorschau zeigt dir, was beim Einsetzen herauskommt.
Tipp: Frag dich „Was würde ich in den Taschenrechner zuerst eintippen?“ – das ist die innere Funktion.
6 Fehler-Detektiv: wahr oder falsch?
Hier stecken typische Fehler. Entscheide und lies die Begründung. Punkte: 0 / 0
7 Ausblick: Warum sich bei der Kettenregel Faktoren multiplizieren
Ein kleines Intervall der Länge $\Delta x$ wird von $g$ ungefähr um den Faktor $g'(x_0)$ gestreckt, danach von $f$ ungefähr um den Faktor $f'(g(x_0))$. Zwei Streckungen hintereinander ergeben das Produkt der Faktoren. Die Funktionen wählst du oben.
Die Gleichung $\frac{\Delta y}{\Delta x}=\frac{\Delta y}{\Delta u}\cdot\frac{\Delta u}{\Delta x}$ gilt exakt, solange $\Delta u\neq0$ ist. Der strenge Beweis der Kettenregel muss den Fall $\Delta u=0$ gesondert behandeln.
✓ Das Wichtigste auf einen Blick
- $(f\circ g)(x)=f(g(x))$: von innen nach außen rechnen – erst $g$, dann $f$.
- Die Reihenfolge zählt: im Allgemeinen $f\circ g\neq g\circ f$.
- $D_{f\circ g}=\{x\in D_g\mid g(x)\in D_f\}$ – das Zwischenergebnis muss „passen“.
- Grafisch: $x$ → hoch zu $G_g$ → waagrecht zu $y=x$ → senkrecht zu $G_f$ → zurück über $x$.
- Zerlegungen sind nicht eindeutig; man wählt die, die das Weiterrechnen am einfachsten macht.
- Verkettung ist Einsetzen, nicht Multiplizieren: $f\circ g\neq f\cdot g$.